Westbalkan • Bosnien-Herzegowina

Bosnien-Herzegowina

Bosnien-Herzegowina spürt immer noch die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie. Die Krise hat die Mängel des Gesundheitssystems schonungslos offengelegt und zu einer der höchsten Todesraten in Europa geführt. Insbesondere für vulnerable Mitglieder der Gesellschaft, einschliesslich Mädchen und Frauen, ist die Situation prekär, da das schwache Gesundheitssystem sie besonders gefährdet. Patriarchalische Normen, das Erbe des Krieges, zunehmende politische Instabilität und ethnische Spannungen haben dazu beigetragen, dass Gewalt gegen Frauen und Mädchen, trotz der politischen Verbesserungen in Bosnien-Herzegowina, noch immer weit verbreitet ist. Während der Pandemie ist sie sogar noch angestiegen. Lokale nichtstaatliche Frauenorganisationen sind die primären Anlaufstellen für gewaltbetroffene Frauen, welche Unterstützungsdienstleistungen aufsuchen. Organisationen dieser Art sind oftmals auf finanzielle Unterstützung von außen angewiesen und geraten daher häufig in finanzielle Schwierigkeiten. Die Arbeit wird durch das völlige Fehlen oder verzögerte Zahlungseingänge von finanziellen Mitteln der öffentlichen Hand behindert, was die Unterstützung von Gewaltbetroffenen gefährdet. Da es nur grobe Schätzungen über Fälle von Gewalt gegen Frauen gibt, ist es schwierig, ein umfassendes Verständnis des Ausmasses und der Schwere des Problems zu erlangen und wirksame Massnahmen zu entwickeln. Die wichtigsten Empfehlungen des Europäischen Parlaments und des Europarats fordern die bosnischen Behörden zur Harmonisierung und Umsetzung der Rechtsvorschriften im Einklang mit der von Bosnien-Herzegowina unterschriebenen Istanbul-Konvention auf. Dies wird mittelfristig dazu beitragen/ermöglichen, dass Frauen, die Gewalt erfahren haben, sich trauen, eine Hilfsorganisation aufzusuchen.
Durch den kürzlich erlangten Status als EU-Kandidatenland ist zu erwarten, dass die Umsetzung von Massnahmen gegen geschlechtsspezifische Gewalt erleichtert wird. Sowohl die Föderation Bosnien-Herzegowina als auch die Republika Srpska haben Verfahren zur Ausarbeitung und Verabschiedung neuer Gesetze zum Thema häusliche Gewalt eingeleitet.

Bosnien

Projekte

Gewaltbetroffene Frauen und Kinder begleiten und stärken:
Unsere Partnerorganisation Vive Zene («Es lebe die Frau») begleitete im vergangenen Jahr 892 von häuslicher Gewalt betroffene Frauen, indem sie ihnen Soforthilfe, Unterkunft, Beratung und längerfristige Unterstützung bot. Darüber hinaus absolvierten 25 Frauen, die zuvor im Frauenhaus untergebracht waren, das Empowerment-Programm. Dabei erhielten sie Unterstützung, um ihre persönliche Geschichte auf authentische Weise als Fürsprecherinnen für die Prävention von Gewalt gegen Frauen zu teilen. Vive Zene erreichte auch 30 Mädchen und Jungen aus benachteiligten Gesellschaftsschichten und sensibilisierte sie zu Themen wie Geschlechtergleichstellung und Empowerment von Frauen. Durch das beharrliche Engagement und die intensive Lobbyarbeit hat Vive Zene erreicht, dass die Regierung des Kantons Tuzla sowie das zuständige Ministerium die Teilfinanzierung des Frauenhauses in ihr jährliches Budget aufgenommen haben. Es ist jedoch weiterhin notwendig, Lobbyarbeit zu leisten, um sicherzustellen, dass auch die höheren Regierungsebenen der Föderation von Bosnien und Herzegowina ihren Verpflichtungen zur Finanzierung nachkommen.

Projektkosten*: CHF 74'466.–

Männer und Jungen für gendertransformative Arbeit gewinnen:
Das Männerzentrum in Modrica erzielte im Jahr 2022 beachtliche Ergebnisse: 40 männliche Gewalttäter haben das psychosoziale Therapieprogramm mit Gruppen- und Einzelsitzungen abgeschlossen. Fünf weitere werden die Therapie im Jahr 2023 fortsetzen. 81 Männer nahmen freiwillig am offenen Gruppenprogramm teil. Unsere Partnerorganisation Buducnost («Die Zukunft») organisierte verschiedene Workshops mit dem Ziel, patriarchalische Geschlechterstereotypen und Vorurteile kritisch zu reflektieren. 521 Personen nahmen daran teil, was in eher ländlichen Gegenden als grosser Erfolg gilt. Die Advocacy-Arbeit zur Verbesserung der Gesetzgebung bezüglich häuslicher Gewalt hat sich aufgrund der politischen Krise in Bosnien-Herzegowina etwas verzögert.

Projektkosten*: CHF 112'557.–

Finanzielle Unabhängigkeit für gewaltbetroffene Frauen:
Ziel dieses neuen Projekts unserer Partnerorganisation Buducnost ist die Verbesserung der finanziellen Unabhängigkeit von gewaltbetroffenen Frauen in fünf Gemeinden Bosnien-Herzegowinas. Seit dem Projektbeginn im Juli 2022 nahmen 27 Frauen an psychologischen Einzel- und Gruppentherapien teil und erhielten professionelle Rechtsberatung. 32 Gerichtsverfahren wurden eingeleitet. Zu Projektbeginn hat Buducnost eine Arbeitsmarktanalyse in Auftrag gegeben, um den spezifischen Bedarf und das Potenzial von Stellenangeboten für Frauen zu ermitteln. Zudem besuchten 12 Projekt-Mitarbeitende ein Schulungsprogramm, um ihre Fähigkeiten und Kenntnisse zur Unterstützung von gewaltbetroffenen Frauen bei der Erlangung wirtschaftlicher Unabhängigkeit zu verbessern.

Projektkosten*: CHF 51'769.–

Bosnien Gewaltbetroffene Frauen

Zugang zu Bildung und Rechten für Strassenkinder:
An den Aktivitäten des Tageszentrums für Strassenkinder unserer Partnerorganisation Zemlja Djece («Land der Kinder») in Tuzla und des mobilen Teams in den Roma-Gemeinschaften nahmen 190 Kinder teil, 60% mehr als erwartet. Zusätzliche Freiwillige leisteten wertvolle Unterstützung, um den grossen Bedarf zu bewältigen. Der Erfolg der Arbeit mit diesen Kindern in der schulischen Betreuung ist deutlich sichtbar: Alle schlossen das Schuljahr Mitte 2022 erfolgreich ab. Das Programm «Be a Man Club» ist eine Initiative, die sich auf die Aufklärung von Gleichaltrigen zum Thema Gewalt durch aktives Engagement von heranwachsenden Jungen und Mädchen konzentriert. 2022 führte das Programm Peer-Education in vier Schulen der Oberstufe durch und führte insgesamt 43 Treffen für Buben und junge Männer in ihrem Gemeinschaftszentrum durch. Das mobile Gender- und Gesundheitsberatungsteam veranstaltete 20 Bildungsworkshops zu Themen wie Impfungen, Geschlechtskrankheiten, Verhütung, Gendergerechtigkeit und Gewalt gegen Frauen. 126 Personen nahmen daran teil. Als einer der wichtigsten Erfolge der Lobbyarbeit konnte erreicht werden, dass der neu überarbeitete Entwurf des Bundesgesetzes zum Schutz der Familie, in dem auch die Initiativen von Zemlja Djece berücksichtigt wurden, erfolgreich vom Parlament verabschiedet wurde.

Projektkosten*: CHF 101'297.–

Bosnien Zugang zu Bildung

Humanitäre Hilfe für migrierende Minderjährige, Frauen und besonders schutzbedürftige Personen:
Das mobile Team unserer Partnerorganisation Zemlja Djece verteilte im Jahre 2022 insgesamt 480 Lebensmittel- und Warengutscheine an über 360 Personen auf der Durchreise. Diese Gutscheine wurden an zwei Standorten in Tuzla und Sarajevo verteilt, wo viele Geflüchtete aus Afghanistan, Marokko und Syrien auf ihrem Weg nach Europa Station machen. Darüber hinaus beteiligte sich das Team aktiv an allen Koordinierungsaktivitäten mit anderen lokalen und internationalen Organisationen, die ebenfalls Menschen auf der Flucht unterstützen. Zemlja Djece legt dabei den Schwerpunkt primär auf Minderjährige, Frauen und andere besonders schutzbedürftige Personen. Zemlja Djece arbeitet eng mit einer Unterkunft zusammen, die Migrantenkinder unterstützt und ihnen bei Bedarf medizinische Versorgung zukommen lässt. Die Verteilung der Gutscheine stellt eine besondere Herausforderung dar. Aufgrund grösserer Menschenansammlungen bei der Ausgabe der Gutscheine kommt es oft zu Problemen mit der Nachbarschaft und der Polizei. Die Mitarbeitenden von Zemlja Djece haben deshalb beschlossen, die Gutscheinverteilung auf mehrere Abende aufzuteilen und kleinere Gruppen zu bilden.

Projektkosten*: CHF 141'538.–

*Kofinanzierung DEZA

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