Westafrika • Burkina Faso

Burkina Faso

2022 gab es gleich zwei Staatsstreiche, zuerst im Januar und gleich im Oktober einen zweiten. Beide Male putschte das Militär, beide Male mit der gleichen Erzählung – die amtierende Regierung würde die zunehmende Gewalt nicht angemessen bekämpfen. Derzeit befindet sich das Land in einer 24 Monate dauernden Übergangsphase, die mit der Durchführung von Wahlen Mitte 2024 enden soll. Die Prioritäten des Übergangregimes sind die Sicherung des Staatsgebiets, die Verbesserung der Lebensqualität und des Regierungssystems. Die Sicherheitslage hat sich stark verschlechtert. Zum Schutze der Bevölkerung haben deshalb die Sicherheits- und Verteidigungskräfte zusätzliche 50'000 Freiwillige rekrutiert. Unzählige Milizen und Bürgerwehren verschiedenster Couleur sind neu gegründet worden, zusätzlich zu den bereits existierenden. Diese schwierige politische Situation führte zu einer beispiellosen humanitären Krise mit fast 2 Millionen Binnenvertriebenen sowie zur Schliessung von über 500 Gesundheitseinrichtungen im Land. Die intern Vertriebenen sammeln sich in den noch sicheren Grossstädten Ouagadougou und Bobo Dioulasso, wo viele unter prekären Bedingungen leben, ohne Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen. Die bereits überfüllten Schulen können keine zusätzlichen Schüler*innen mehr aufnehmen. Diese Situation erforderte einen Notfallplan, um auf die unmittelbaren Bedürfnisse der betroffenen Menschen im Bereich der reproduktiven Gesundheit eingehen zu können. Seit 2022 wird in Burkina Faso nicht mehr von umfassender Sexualerziehung geredet. Das Ministerium für Gesundheit und öffentliche Hygiene hat sich auf die neue Bezeichnung «Education à la vie familiale» (Erziehung zum Familienleben) geeinigt, welches die Themen Familie, Beziehungen, Kultur und Geschlechterrollen, Menschenrechte, Geschlechtergleichheit, Selbstbestimmung über den Körper, Diskriminierungen, sexueller Missbrauch sowie Gewalt umfasst.
Durch die schwierige Sicherheitslage und die humanitäre Krise hat das soziale Gefüge auf Ebene des Zusammenlebens erhebliche Beeinträchtigungen erfahren. Intoleranz sowie die Verbreitung von Fake News und Hassbotschaften haben die Situation zusätzlich verschärft. Die Regierung hat daraufhin Massnahmen zur Förderung des Zusammenlebens, der gegenseitigen Akzeptanz und der Solidarität in diesen schwierigen Zeiten entwickelt.

BurkinaFaso

Projekte

Vorurteile Menstruation – ohne Scham darüber sprechen:
Trotz eines schwierigen Umfelds, das durch die Sicherheitskrise und die beiden Staatsstreiche im Jahr 2022 geprägt war, konnten die Projektaktivitäten durchgeführt werden: Sensibilisierung und Information über Menstruationshygiene in den Schulen mit Mädchen und Jungen. Um auch der breiten Bevölkerung ein besseres Verständnis zu ermöglichen und so eine Verhaltensänderung zu erreichen, haben mehr als 1'000 Personen an 18 Aufklärungsgesprächen teilgenommen, die von unserer lokalen Partnerorganisation «Partenariat et Actions pour le Développement Socio-Economique des Personnes Vulnérables de la Région du Centre-Nord» (Padesec) durchgeführt wurden.

Projektkosten*: CHF 58'661.–

Sexuelle Aufklärung in den Schulen:
Burkina Faso möchte eine umfassende Sexualaufklärung in den Schulen einführen. In 12 Schulen in der Projektregion hat unser Partner Padesec rund 15'000 Personen in Gruppendiskussionen zum Thema sexuelle und reproduktive Gesundheit erreicht. Das Thema Sexualität ist seit der Projekteinführung 2020 unter Jugendlichen kein Tabu mehr. Die Enttabuisierung, die eine Aufklärung auch bei den Eltern voraussetzt, und das Erlernen einer offenen Kommunikation untereinander haben dazu beigetragen, dass die Zahl sexuell übertragbarer Infektionen und ungewollter Schwangerschaften rückläufig ist. Das Projekt konnte so zur Entwicklung der nationalen Strategie für die Einführung eines umfassenden Sexualunterrichts in den Schulen beisteuern.

Projektkosten*: CHF 117'987.–

BurkinaFaso Sexuelle Aufklaerung

Ein sicheres Leben für Frauen und Jugendliche in den Goldminen:
Aufgrund der Sicherheitslage und der politisch instabilen Situation war der Zugang zu den Goldminen 2022 teilweise erschwert. Unsere Parteiorganisation «Association pour la Santé communautaire et le Développement» (AVSD) konnte jedoch die meisten Aktivitäten in zwei Gemeinden wieder aufnehmen, um Frauen und Jugendliche, die Gewalt ausgesetzt sind, zu schützen. Durch das Überwachungskomitee haben Menschen, insbesondere Mädchen und Frauen, die in den Minen arbeiten, Zugang zu Unterstützung, falls ihre grundlegenden Rechte in Gefahr geraten sollten. Ausserdem haben auch die zwei involvierten Gemeinden ihre Kontrollmechanismen verstärkt, um im Falle von Gewalt besser und schneller reagieren zu können. Die vom Projekt organisierten und von den Jugendlichen gut besuchten Treffen gaben ihnen die Gelegenheit, ihre Sorgen und Bedenken mit den Projektakteuren zu teilen.

Projektkosten*: CHF 80'122.–

BurkinaFaso Goldminen

*Kofinanzierung DEZA

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