Westafrika • Senegal

Senegal

Senegal ist ein Land grosser Gegensätze, welche als ganz unterschiedliche Lebensrealitäten in den Quartieren einer einzigen Stadt, oder aber auch verteilt über das ganze Land auffallen. Es gilt als weitgehend demokratisches und stabiles Land. Grundlegende Freiheitsrechte, insbesondere Religions-, Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit, sind gewährleistet. Viele Menschen leben von der Landwirtschaft und vom Fischfang, Einkommensquellen, die zunehmend bedroht sind: Im extremen Norden und im Osten herrschen immer wieder drastische Dürreperioden. Die Fischbestände vor der Küste schwinden aufgrund wachsender Präsenz ausländischer Hochseefischereiboote, was insbesondere für Kleinfischerfamilien entlang der Küste gravierende Auswirkungen hat. So leben trotz der politischen und (weitgehend auch) zivilgesellschaftlichen Stabilität 30% der Bevölkerung in Armut. Die Analphabetenrate wird auf rund 58% geschätzt, wobei – bedingt durch strukturelle, alltägliche Realitäten, wie auch durch weltanschauliche Überzeugungen – mehr Frauen Analphabetinnen sind als Männer. Frauen sehen sich nach wie vor einer Vielzahl von Herausforderungen gegenüber, da Geschlechterungleichheit sie oft in prekäre Arbeitsverhältnisse zwingt, in denen sie unterbezahlt und/oder ausgebeutet werden. Und dies, obwohl 2010 eines der progressivsten Gleichstellungsgesetze der Welt verabschiedet wurde. Es gibt nach wie vor Verbesserungspotenzial im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit, insbesondere im Hinblick auf die Verwirklichung der reproduktiven Rechte von Jugendlichen und Heranwachsenden. Das Angebot an Familienplanungsdiensten sowie Verhütungsmitteln wird zu wenig genutzt und nicht flächendeckend an die Jugendlichen herangetragen. Teenagerschwangerschaften, Frühverheiratungen sowie geschlechtsspezifische Gewalt sind stark verbreitet, wobei es innerhalb des Landes grosse regionale Unterschiede gibt. Die Gesundheitsversorgung ist ungenügend. Insbesondere in ländlichen Regionen ist der Weg zum nächsten Gesundheitszentrum oft zu weit, um Notfälle adäquat und schnell behandeln zu können. Eine der Folgen davon ist eine hohe Müttersterblichkeit bei der Geburt, die im Senegal – wie in vielen anderen afrikanischen Ländern – aber rückläufig ist. Das Land verfügt über ein günstiges Umfeld sowie einen umfangreichen gesetzlichen Rahmen, um die Fortschritte im Gesundheitsbereich zu beschleunigen, wie einen garantierten Zugang zu Bildung für alle Kinder oder kostenlose Kaiserschnitte. Bei der Umsetzung fehlt es aber vielerorts noch an Beharrlichkeit.

Senegal

Projekte

Sexualaufklärung für Jugendliche:
2022 hat unsere Partnerorganisation Intermondes zahlreiche Aktivitäten durchgeführt: 14 Strassentheater fanden in einem Vorort von Dakar statt, kostenlose Konsultationen zu sexueller und reproduktiver Gesundheit wurden in den Gesundheitszentren sowie 326 Gruppendiskussionen mit jugendlichen Mädchen und Jungen über sexuelle und reproduktive Gesundheit durchgeführt. Für die Umsetzung einiger dieser Aktivitäten war die Beteiligung der Jugendlichen selbst von entscheidender Bedeutung, insbesondere durch ihre Rolle als «Teenager-Botschafter». Dabei handelt es sich um Mädchen und Jungen, die als Moderatorinnen und Moderatoren die Diskussionen leiten. Es wurden auch Aktivitäten im schulischen Umfeld organisiert, und es konnten weitere 26 «Teenager-Botschafter» gewonnen werden. 30 Lehrpersonen bildeten sich zum Thema sexuelle und reproduktive Gesundheit weiter. Insgesamt haben 1'296 Jugendliche an den Diskussionen teilgenommen. Ausserdem brachten vier gemischte Fussballspiele zum Thema «Fair Play» die Jugendlichen zusammen und sensibilisierten sie für geschlechtsbezogene Gewalt. Dank des grossen Engagements aller Beteiligten wie der nationalen Inspektionsbehörde für Erziehung und Bildung, dem Chefarzt des Gesundheitsdistrikts Guédiawaye, dem Engagement der Jugendlichen und der Autoritäten konnten alle geplanten Massnahmen durchgeführt werden. Erste Ergebnisse der jährlichen Umfrage bei den beteiligten Akteuren zeigen, dass sich die Einstellungen und Verhaltensweisen in Bezug auf die sexuelle und reproduktive Gesundheit sowie auf geschlechtsspezifische Gewalt verändert haben: 85% der Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren geben an, dass sich ihr Wissen über Gesundheitsfragen verbessert hat und sie sich für ein verantwortungsbewusstes Verhalten engagieren.

Projektkosten*: CHF 130'884.–

In einem sicheren und gesunden Umfeld aufwachsen:
Genitalbeschneidung, Jugendschwangerschaften und Gewalt in der Erziehung sind Probleme, die unsere Partnerorganisation Eusobul in den Gemeinden im Süden Senegals gezielt angeht. Mehr als 234 Mütter, Väter und Lehrpersonen nahmen 2022 an Weiterbildungen zum Thema positive Erziehung teil. Eine Umfrage unter Jugendlichen in der Projektregion ergab, dass die Gewalt in den Familien seither um 75% zurückgegangen ist und dass die Eltern ihren Kindern besser zuhören, was zu einer Verbesserung der Beziehungen beiträgt. Das Projekt zielt auch auf einen Einstellungswandel in den Gemeinden ab, um die weibliche Genitalbeschneidung zu reduzieren. In den Schulen boten Diskussionsrunden den Jugendlichen die Gelegenheit, sich nicht nur über Genitalbeschneidung, sondern auch über Teenagerschwangerschaften und geschlechtsspezifische Gewalt auszutauschen. Rund 120 Gesprächsrunden zwischen den Schüler*innen und Eusobul fanden in den Schulen statt. Das Engagement gegen Genitalbeschneidung erfordert die Unterstützung von einflussreichen Personen, insbesondere von religiösen Führern oder den Hüterinnen der Traditionen. Tatsächlich sind diese Frauen sehr einflussreich und entscheiden über die Durchführung der Beschneidungszeremonien. Mit diesen Frauen wurden 18 Austauschtreffen organisiert, um gemeinsam Alternativen zu suchen. Die religiösen Führer leiteten vier Konferenzen und nahmen an vier Foren zum Thema Kinderrechte und Kinderschutz teil.

Projektkosten*: CHF 139'678.–

Senegal sicheres Umfeld

Frühschwangerschaften und HIV/Aids reduzieren:
Noch immer gilt es als Tabu, mit den eigenen Kindern über Sexualität zu sprechen. Jugendliche sind mangelhaft oder gar nicht aufgeklärt und haben oftmals eingeschränkten Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung und Prävention. Sie sind daher Risiken wie HIV/Aids und Frühschwangerschaften ausgesetzt. Sie wissen nicht, dass sie ein Recht auf eine selbstbestimmte Sexualität haben. Unsere Partnerorganisation «Action et Développement (AcDev) konzentriert ihre Aktivitäten auf drei Gesundheitsdistrikte in den Vororten von Dakar, in denen der Anteil der Jugendlichen besonders hoch ist. Das Projekt arbeitet mit zehn Jugendverbänden zusammen, die die Projektaktivitäten durchführen. Zuerst wurden die Verantwortlichen zu Themen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit weitergebildet, so dass sie mit der Aufklärungsarbeit von Jugendlichen für Jugendliche beginnen konnten: Diskussionsrunden, Informationsarbeit in Schulklassen, sowie interaktive Debatten im Radio erreichten rund 1'500 junge Menschen. 45 Jugendliche, darunter 18 Mädchen, haben Schulungen besucht, um sich im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit weiterzubilden. Ihr Ziel ist es, die Interessen in diesem Bereich in der Öffentlichkeit zu vertreten. Ausserdem haben 16 junge Journalist*innen an einem Sensibilisierungs-Workshop teilgenommen, um das Tabu und das Schweigen rund um das Thema Sexualität zu brechen.

Projektkosten*: CHF 103'312.–

Senegal Fruehschwangerschaften

*Kofinanzierung DEZA

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