Westafrika • Togo

Togo

Seit 2005 ist Faure Gnassingbé Präsident von Togo, nachdem er das Amt von seinem verstorbenen Vater, dem langjährigen Präsidenten Eyadéma, übernommen hatte. Diese innerfamiliäre Übernahme löste zwar internationale Proteste aus, Gnassingbé trat zurück, doch wurde er im gleichen Jahr durch Wahlen erneut als Präsident eingesetzt. Er regiert das Land nun in seiner 4. Amtszeit; die Familie Gnassingbé führt Togo bereits seit 50 Jahren. Für das Jahr 2022 stehen auf der Agenda Gnassingbés Reformanstrengungen der «Vision Togo 2030» an. Die zunehmenden Sicherheitsprobleme und aufeinanderfolgende Krisen haben zu steigenden Lebenshaltungskosten für die Bevölkerung geführt. Seit Ende 2021 erlebt auch Togo wiederholt terroristische Angriffe, vor allem an der Grenze zu Burkina Faso. Die Preise für Treibstoff, Weizen, Mais und Grundnahrungsmittel sind stark gestiegen. Um langfristig eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten, setzt die Regierung auf innovative Lösungen und Strategien. So wird beispielsweise bei der Brotherstellung 40% Maniokmehl lokaler Produktion verwendet. Mit dieser Massnahme wird die Höhe der Weizen-Subvention verringert, teure Importe sollen, wo möglich, durch togoische Produkte ersetzt werden. Beim Transport setzt Togo auf Elektromotorräder, um die hohen Treibstoffpreise zu umgehen und damit auch gefährdete Bevölkerungsgruppen nicht auszuschliessen. Ein erstes Montagewerk wurde bereits eingeweiht. Ausserdem ist Togo seit Juni 2022 Mitglied des Commonwealth. Diese Mitgliedschaft soll die Tür zu einem Markt mit 2,5 Milliarden Verbrauchern öffnen und neue Bildungschancen bieten. Die Regierung erhofft sich, durch die Mitgliedschaft sein «diplomatisches, politisches und wirtschaftliches Netzwerk zu erweitern», dem neo-kolonialen Einfluss Frankreichs als ehemaliger Kolonialmacht zu entkommen und der englischsprachigen Welt näherzukommen. Der Weg dahin wird lang, müssen doch zuerst neue, auch internationale Abkommen vereinbart werden, die den Export von lokal produzierten Produkten zulassen.
2020 wurde von der Regierung eine Strategie zur Erreichung des Ziels 5 für nachhaltige Entwicklung, die Geschlechtergleichstellung, erarbeitet. Diese sieht vor, Frauen in den Mittelpunkt der staatlichen Entwicklungspolitik zu setzen. Seitdem wurden mehrere Massnahmen umgesetzt, um die Ziele der Agenda für die Gleichstellung von Frauen und Männern schneller zu erreichen. Dazu zählen die Verbesserung des Zugangs zu sozialen Basisdiensten, insbesondere im Gesundheits- und Bildungssektor, die Grundversorgung, die Bekämpfung des Klimawandels, die Förderung der Beteiligung von Frauen an der Friedenskonsolidierung sowie des weiblichen Unternehmertums und der Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt.

Togo

Projekte

Respektvolle Geburt:
Obwohl das Projektteam unserer Partnerorganisation «Alliance Fraternelle pour le Développement» (AFAD) Anfang 2022 durch die Auswirkungen von Covid-19 stark beeinträchtigt wurde, konnte das Projekt trotzdem weitere Fortschritte bei der Verbreitung innovativer Geburtspraktiken verzeichnen, für die sich AFAD seit vielen Jahren einsetzt. Verantwortliche aus verschiedenen Gesundheitsdistrikten und Institutionen baten um eine Weiterbildung ihres Personals. Insgesamt schlossen sich weitere medizinische Fachkräfte aus anderen Regionen dem Programm an und erwarben Kenntnisse in Bezug auf eine Geburt, die die Rechte und Bedürfnisse der Gebärenden berücksichtigt. Die Kommunikations- und Geburtstechniken stiessen auch am nationalen Hebammen- sowie am nationalen Gynäkologenkongress auf grosses Interesse. In den 11 Pilot-Gesundheitszentren der Region Kpélé zeigte sich wiederum, dass die Veränderungen bezüglich der Geburtspraktiken den Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechen: Inzwischen favorisieren neun von zehn Gebärenden eine der neu eingeführten Geburtspositionen und bei knapp 60% der Geburten ist der werdende Vater bei der Geburt dabei – 10% mehr als noch im letzten Jahr.

Projektkosten*: CHF 218'854.–

Netzwerk «MenEngage» Togo:
Nach der letztjährigen Medienkampagne «Suis-je un homme?», stellten die zehn Mitgliedsorganisationen des Netzwerks eine Folgekampagne auf die Beine. 2022 ging es darum, eine öffentliche Debatte zur Frage «Was ist weiblich?» anzuregen. Gemeinsam mit einem Expertengremium wurden im Netzwerk sechs kurze Zeichentrickfilme entwickelt, welche traditionelle Stereotypen von weiblichem Verhalten auf eine neue Art interpretieren. Zusätzlich wurden sechs Video-Interviews erstellt, die bestimmte Vorstellungen von Weiblichkeit kritisch hinterfragen. Während vier Monaten waren die Spots in verschiedenen sozialen Medien zu sehen, zudem wurden vier Radio- und drei Fernsehsendungen ausgestrahlt. Insgesamt wurde damit eine geschätzte Reichweite von vier Millionen Menschen innerhalb und ausserhalb von Togo erreicht. Daneben stand das Jahr im Zeichen der methodischen Stärkung der Mitgliedsorganisationen. Unterstützt durch Sonke Gender Justice als Trainer verbesserten 24 Personen ihre Kompetenzen zur gendertransformativen Arbeit. Dank des Engagements des noch jungen nationalen Netzwerks in Togo ist MenEngage seit letztem Jahr mit einem nationalen Vertreter im Präsidium von MenEngage Afrika vertreten und kann dort Einfluss nehmen auf die zukünftige Ausrichtung von MenEngage.

Projektkosten*: CHF 43'904.–

Togo Men Engage

Menstruationshygiene:
2022 startete unsere Partnerorganisation AFAD in eine neue Projektphase zur Verbesserung von Menstruationshygiene im Südwesten von Togo. Die Aktionen richten sich primär an etwa 900 Schüler*innen im Alter von 12 bis 25 Jahren und ihre Eltern, aber auch an die umliegenden Dorfgemeinschaften. Die Informations- und Diskussionsveranstaltungen rund um Hygiene, Gesundheit, Wahrnehmung und Mythen bezüglich Menstruation richten sich nicht ausschliesslich an Mädchen und Frauen, sondern involvieren bewusst auch Jungen und Väter. Denn es geht neben den gesundheitlichen und hygienischen Aspekten gerade auch darum, einen entspannten und empathischen gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema zu entwickeln mit dem Ziel, dass Menstruation nicht zu Benachteiligung oder Stigmatisierung führt. Um finanzierbare Menstruationsbinden zugänglich zu machen, wurden acht Produzent*innen von wiederverwendbaren Stoffbinden kontaktiert.

Projektkosten*: CHF 42'574.–

Togo Menstruationshygiene

*Kofinanzierung DEZA

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